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Lerntipps und Lernorganisation

Aktives Lernen – der Schlüssel zu Ihrem Lernerfolg

Ihr Erfolg hängt trotz unserer Unterstützung in erster Linie von Ihnen ab. Lernen Sie deshalb aktiv!

Behalten Sie die Übersicht. Stellen Sie sich zu Beginn jeder Lerneinheit bewusst die Frage, wo im Gedankengebäude Sie sich gerade befinden, woher Sie kommen und wohin die gedankliche Reise geht. Nutzen Sie das Inhaltsverzeichnis als Arbeitsinstrument, damit Sie die Übersicht jederzeit behalten und den Stoff von Anfang an im Zusammenhang verstehen. Diese Grundstruktur hilft Ihnen, später hinzukommendes (Detail-)Wissen zu integrieren.

Teilen Sie die Lernarbeit ein. Versuchen Sie nicht alles auf einmal zu lernen. Unsere Aufmerksamkeitsspanne ist begrenzter, als wir uns wünschen. Sie tun sich keinen Dienst, wenn Sie alles auf einmal erarbeiten wollen. Beobachten Sie Ihre persönliche Konzentrationsspanne und organisieren Sie Ihre Lernarbeit danach. Kurze und regelmässige Lerneinheiten mit hoher Konzentration bringen die besten Resultate.

Verarbeiten Sie den Text. Wenn wir alles behalten könnten, was wir einmal gelesen haben, wäre Lernen kein Problem. Nur bedeutet Lesen noch lange nicht Lernen. «Bloss» Gelesenes geht schnell wieder vergessen. Daher: Verarbeiten Sie den Text und – ganz wichtig – repetieren Sie.
Die Art und Weise, wie ein Text am besten verarbeitet wird, ist sehr individuell. Viele arbeiten mit Unterstreichungen und Randnotizen, andere setzen auf die Technik des Mind Mapping und wiederum andere verfassen eigene Zusammenfassungen in Text- oder Grafikform. Daneben gibt es unzählige weitere zum Teil sehr persönliche Techniken.
Wenn Sie bereits über bewährte Techniken verfügen, dann halten Sie an diesen fest – offenbar stimmen sie mit Ihrer persönlichen Denkstruktur überein.

Machen Sie regelmässig Pausen. Trinken Sie ein Glas Wasser und bewegen Sie sich. Schon kleine Übungen versorgen Muskeln und Gehirn mit zusätzlicher Energie und entspannen Augen, Körper und Geist. Unter www.bluetrail.ch finden Sie Beispiele aus dem asiatischen Raum, unter www.die-praevention.de finden Sie zahlreiche Tipps sowie einfache Übungen, die Sie auch am Arbeitsplatz machen können.

Prioritäten setzen

Oft hat man nicht genug Zeit, alles zu erledigen. Hier finden Sie einige Tipps, wie man Prioritäten setzt und Entscheidungen fällt.

Wenn man nicht genug Zeit hat, um alle Aufgaben zu erledigen, muss man Prioritäten setzen und folgende Entscheidungen fällen:
  • Welche Aufgaben sollen verwirklicht werden?
  • In welcher Reihenfolge sollen die Aufgaben angegangen werden?
  • Welcher Perfektionsgrad soll erreicht werden?



Die ABC-Analyse

Der ABC-Analyse liegt die Überlegung zugrunde, dass verschiedene Aufgaben einen unterschiedlichen Stellenwert haben: Um z. B. die Lebensziele zu erreichen, müssen einige unbedingt erfüllt werden, manche sollten erfüllt werden, andere können erfüllt werden, sind aber nicht entscheidend für die Verwirklichung des Lebensplans. Die Aufgaben, die unbedingt erfüllt werden müssen, werden als A-Aufgaben bezeichnet, die nächstwichtigen als B-Aufgaben, die eher untergeordneten heissen C-Aufgaben.

Beispiel

Markus Braun möchte in eine leitende Position aufsteigen und überdurchschnittlich gut verdienen. Um diese Ziele zu verwirklichen, muss er die formale Qualifikation mitbringen, d.h., er muss unbedingt sein Studium zum Betriebsökonom erfolgreich abschliessen. Das Studium ist für Markus Braun deshalb eine A-Aufgabe.
Markus hat Spass an Bewegung, lotet gerne die Grenzen seiner körperlichen Leistungsfähigkeit aus und misst sich gerne mit anderen. Deshalb hat für ihn der Sport einen hohen Stellenwert: Er würde eine Verabredung zum Squash oder einen Spieltag seiner Volleyballmannschaft nur wegen eines wichtigen Termins absagen, der seine Berufstätigkeit oder sein Studium betrifft. Die Aufgaben, die sich aus der sportlichen Betätigung von Markus ergeben, sind B-Aufgaben.
Markus möchte seinen Haushalt stets so "im Griff" haben, dass er jederzeit unangemeldeten Besuch empfangen kann, ohne sich wegen des Zustands seiner Wohnung schämen zu müssen. Wenn es sein Studium erfordert, stellt er den Haushalt jedoch ohne zu zögern hinten an, weil es für seine Lebensziele nicht entscheidend ist, ob die Fensterscheiben schmutzig sind und ob auf dem Teppich ein paar Krümel liegen. Hausarbeiten sind für Markus deshalb C-Aufgaben.

Wenn klar ist, dass man in einem bestimmten Zeitraum nicht alle Aufgaben erfüllen bzw. nicht alle Termine wahrnehmen kann, sollte man also die A-Aufgaben zuerst erledigen, dann die B-Aufgaben angehen und sich zuletzt die C-Aufgaben vornehmen. Häufig lassen sich die C-Aufgaben jedoch auch delegieren, d.h., man kann andere mit der Erledigung dieser Aufgaben betrauen.

Beispiel

Markus Braun stellt fest, dass sein Haushalt regelmässig "zu kurz kommt", seitdem er sein Studium aufgenommen hat. Deshalb engagiert er eine Putzfrau, die einmal pro Woche die wichtigsten Hausarbeiten erledigt.

Die Einteilung in A-, B- und C-Aufgaben ist aber nicht immer so einfach wie in unserem Beispiel. Wenn Sie nicht genau wissen, welchen Stellenwert eine Aufgabe hat, helfen die folgenden Fragen weiter:
  • Welche Aufgaben tragen zum Erreichen meiner wichtigsten Ziele bei?
  • Welche Aufgaben haben die stärksten Auswirkungen auf andere Aufgaben, müssen z.B. erledigt sein, bevor andere angegangen werden können?
  • Was passiert, wenn ich diese Aufgabe nicht erledige? Bzw.: Mit der Nicht-Erledigung welcher Aufgaben handle ich mir den meisten Ärger ein?
  • Durch das Erledigen welcher Aufgaben erziele ich die grösste Anerkennung bzw. den grössten persönlichen Nutzen?
Auf der Basis dieser Fragen können Sie Ihre Aufgaben in eine Rangfolge bringen. Oben auf der Liste stehen die A-Aufgaben, es folgen die B-Aufgaben und am Schluss finden sich die C-Aufgaben. Oft stehen die A-, B- und C-Aufgaben im Verhältnis 15:20:65, d.h., 15% aller anstehenden Aufgaben sind A-Aufgaben, 20% B-Aufgaben und 65% sind C-Aufgaben. Überrascht es Sie, dass die C-Aufgaben einen so grossen Anteil haben bzw. dass die wirklich entscheidenden Aufgaben (A-Aufgaben) nur 15% ausmachen? Probieren Sie einmal aus, ob die Verteilung Ihrer Aufgaben diesen Erfahrungswerten entspricht!

Das Eisenhower-Prinzip

Beim Eisenhower-Prinzip erfolgt die Prioritätensetzung nach den Kriterien Wichtigkeit und Dringlichkeit. Diese Kriterien werden zum Massstab gemacht, weil im Alltag häufig dringende Aufgaben grossen Druck verursachen, selbst wenn sie weniger wichtig sind. Um in der Flut der dringenden Aufgaben die wichtigen nicht zu vernachlässigen, wurde das folgende Koordinatenkreuz entwickelt, das nach dem amerikanischen General und späteren Präsidenten der Vereinigten Staaten Dwight D. Eisenhower (1890-1969) benannt ist:

Entscheidungsraster des Eisenhower-Prinzips



  • Quadrant 1: Diese Aufgaben sind sehr wichtig und sehr dringend. Sie sollten sie sofort selbst erledigen!
  • Quadrant 2: Die Aufgaben sind wichtig, aber (noch) nicht dringend. Sie werden terminiert, d.h., ihre Erledigung wird für einen späteren Zeitpunkt fest eingeplant.
  • Quadrant 3: Die Aufgaben sind dringend, aber wenig wichtig. Diese Aufgaben sollten Sie möglichst delegieren, d.h. anderen zur Erledigung übertragen.
  • Quadrant 4: Die Aufgaben sind wenig dringlich und wenig wichtig. Sie sollten sie möglichst ignorieren, d.h., sie kommen in die Ablage oder in den Papierkorb.

Das Pareto-Prinzip

Neben der ABC-Analyse und dem Eisenhower-Prinzip ist das Pareto-Prinzip eine weitere Methode, die die Prioritätensetzung erleichtert. Das Pareto-Prinzip geht auf den italienischen Volkswirtschaftler und Soziologen Vilfredo Pareto (1848-1923) zurück. Er fand Ende des 19. Jahrhunderts heraus, dass 20% der Bevölkerung Italiens 80% des Volksvermögens besassen.

Das Verhältnis 20:80 taucht auch ausserhalb der Volkswirtschaftslehre in vielen Bereichen auf. So stellen beispielsweise Unternehmen fest, dass 20% ihrer Kunden 80% des Umsatzes machen oder dass auf 20% der Lagerartikel 80% des Lagerwerts entfallen. Bezogen auf das Zeitmanagement sagt das Pareto-Prinzip Folgendes aus: In 20% der aufgewendeten Zeit werden 80% der Ergebnisse erreicht. Umgekehrt gilt: In den übrigen 80% der Zeit werden nur 20% der Ergebnisse erreicht. Zur Verdeutlichung der Relationen betrachten Sie die folgende Grafik:

Pareto-Prinzip, bezogen auf die Zeit



Was bedeutet das Verhältnis 20:80 in der Praxis?

Beispiel

Vanessa Meister hat die Aufgabe, ein Sitzungsprotokoll für den firmeninternen Gebrauch zu schreiben. Sie sieht ihre Notizen durch und verfasst ein knappes Protokoll, das die behandelten Themen, die gefällten Entscheidungen und Termine enthält. Dazu benötigt Frau Meister eine halbe Stunde. Als sie das Protokoll ausdruckt, stellt sie fest, dass sie alle inhaltlichen Punkte korrekt wiedergegeben hat, dass aber die Seitenaufteilung nicht optimal ist, dass sie Kursiv- und Fettschrift sowie Abstände vor und nach Absätzen uneinheitlich verwendet hat und dass man den einen oder anderen Satz vielleicht umformulieren könnte. Ausserdem möchte sie prüfen, ob sie alle Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung berücksichtigt hat. Die nächsten zwei Stunden verbringt Frau Meister damit, das Protokoll formal zu optimieren, ohne inhaltlich etwas zu verbessern.
Um ihre Aufgabe zu 100% zu erfüllen, benötigt Vanessa Meister also insgesamt zweieinhalb Stunden. Nach einer halben Stunde, d.h. nach 20% der Gesamtzeit, hatte sie jedoch schon die wichtigsten 80% der Aufgabe erledigt – die wesentlichen Themen und Entscheidungen der Sitzung waren zusammengefasst.
Bei Anwendung des Pareto-Prinzips hätte Frau Meister an diesem Punkt aufgehört. Das Protokoll wäre zwar optisch und (möglicherweise) sprachlich nicht perfekt gewesen, hätte für den internen Gebrauch seinen Zweck jedoch vollkommen erfüllt, und Frau Meister hätte sich anderen Aufgaben zuwenden können.
Natürlich ist das ein konstruiertes Beispiel, aber sicher hat Sie der Drang nach Perfektion auch schon die eine oder andere Stunde Ihrer (Arbeits-)Zeit gekostet.

Fazit

Entscheiden heisst Prioritäten setzen. Es gibt verschiedene Kriterien, nach denen die Prioritätensetzung erfolgen kann. In der ABC-Analyse ist es die Frage nach den Konsequenzen, die die Erfüllung bzw. die Nicht-Erfüllung einer Aufgabe hat. Das Eisenhower- Prinzip teilt Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit ein. Das Pareto-Prinzip macht deutlich, dass für die angemessene Erledigung einer Aufgabe meist deutlich weniger Zeit benötigt wird als für die perfekte Erledigung.

Die Abschnitte zu Prioritäten setzen, ABC-Analyse, Eisenhower- und Pareto-Prinzip stammen aus:
Zeitmanagement
Eine Anleitung zum sinnvollen Umgang mit der Zeit mit zahlreichen Beispielen und praktischen Übungen.
Clarisse Pifko, 58 Seiten, A4, broschiert, Compendio Bildungsmedien, 1. Auflage 2005, ISBN 3-7155-9246-X, CHF 15.00
www.compendio.ch/Bildungsmedien/?Titel=1900

Letzte Änderung: 15.04.10